Ahauser Geburtstags-Matinee für den 80jährigen Fundamentaltheologen Prof. Johann Baptist Metz
„In der Jugendsprache würde man sagen: Er ist aber wirklich gut drauf“, würdigte Gastgeber Dr. Claus Urban vom Aktuellen Forum Ahaus zu Beginn der Geburtstagsmatinee am 28.Sept. 2008 den in der Oberpfalz geborenen Metz. Mehrere hundert Teilnehmende waren in das Ahause Schloss gekommen, um den Begründer der neuen politischen Theologie zu ehren. Er habe Entscheidendes in den Blick gerückt, „an dem die Kirche nun nicht mehr vorbei kommt“, meinte der Nachfolger Metz’ auf dem Lehrstuhl für Fundamentaltheologie der Uni Münster, Prof. Jürgen Werbick.
Die Kritik am derzeitigen Zustand von Kirche und Theologie blieb auch an diesem Festtag nicht außen vor. „Wo ist das Volk in der Kirche geblieben?“, fragte Prof. Paulo Suess in seinem Festvortrag. Warum habe man den Karren „Hoffnung“ auf halber Strecke stehen gelassen? „Solche Fragen sind nicht der Untergang der Kirche und der Theologie, sondern ihre Rettung“, meinte der in Köln geborene und seit 1966 in Brasilien lebende Suess. Er würdigte die Bedeutung des Metzschen Gedankenguts für die Theologie der Befreiung Lateinamerikas. Beide rücken die Armen und Leidenden als die Opfer der Geschichte, aber auch als widerständig handelnde Subjekte ins Zentrum des Glaubens.
Schon immer in der Geschichte habe sich Kirche "mit Tätern leichter getan als mit Opfern“; erwiderte Metz in seiner Dankesrede. Tätern begegne sie mit den Gedanken von Schuld und Vergebung. „Mit Sündern können wir gut umgehen, aber mit Opfern nicht“, sagte Metz. Gerade die Opfer stellten aber die Frage nach Gerechtigkeit. Die gerechtigkeitssuchende Compassion ist für Metz das Schlüsselwort für das Weltprogramm des Christentums im Zeitalter der Globalisierung. Sie ist in seinen Augen die biblische Mitgift für den europäischen Geist, so wie die theoretische Neugierde die griechische Mitgift und das Rechtsdenken die römische Mitgift für Europa ist. “Diese Compassion ist eine Mystik der offenen Augen und schickt uns an die Front der politischen, der sozialen und kulturellen Konflikte in der heutigen Welt.
Dr. Claus Urban und Dr. Tiemo Rainer Peters überreichten dem Jubilar eine im Grünewald-Verlag erschienene Festschrift mit dem Titel „Über den Trost – Für Johann Baptist Metz“. Darin versuchen namhafte Intellektuelle in Auseinandersetzung mit einem frühen Text von Metz dem Trost auf die Spur zu kommen. So erweisen sie Johann Baptist Metz zu seinem 80. Geburtstag ihre Reverenz. Metz hat wie kein anderer Theologe nach einem Trost gesucht, der die Trostlosigkeit der Leidenden nicht vergessen macht. Denn was nicht befreit, das tröste auch nicht mehr, ist Metz überzeugt.

